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Was ist Yoga?

 

 

 

 


Der yoga ist ein Philosophiesystem, das durch den vedanta eine religiöse und durch das tantra eine weltliche Prägung erhielt. Somit gibt es ganz viele Wege, die letztlich immer zum gleichen Ziel führen — eine volle, aktive Begegnung mit der Welt, ohne sich dabei mit ihr zu verstricken. Patanjali formulierte es so: Yoga ist die Ausrottung der Verfärbungen und Verwirbelungen des Bewusstseins durch dessen Inhalte. Nicht die Inhalte sollen ausgerottet werden, nur die ungewollte Identifikation bzw. Verstrickung mit ihnen, weil wir uns sonst in ihnen verlieren. Du bist nicht der Gedanke, den du gerade hast, also muss er auch nicht verschwinden.

Hier im Westen wird meistens (tantrischer) hatha-yoga in vielen Facetten praktiziert. Tantra bedeutet Gewebe und bezeichnet die Einbindung unseres ganzen Wesens. Dazu gehören Leib, Sinne, Atem, Lebensenergie (prana), Psyche (Gedanken, Emotionen, Gefühle, Ich-Sinn), Sexualität, Spiritualität, Sehnsüchte, Bewusstsein etc.

Zwei wichtige Grundlagen des tantra sind: 1) in allem lebt — stets ineinander verwoben — eine aktive Kraft (shakti) und ein «schauendes», (be-)zeugendes Bewusstsein (shiva), beide je nach Lebensphase und Situation in ganz verschiedenen Formen auftretend. Die cakra-Lehre beschreibt die wesentlichen, untrennbaren Grundzüge unseres menschlichen Wesens. 2) Gleiches reinigt gleiches. Das meint, dass wir unsere Verstrickungen mit der Welt nur lösen (reinigen) können, wenn wir sie in voller Präsenz ausleben, bis wir Klarheit über sie erlangen. Zum Beispiel vereinnahmt ein durchschautes Problem nicht mehr das ganze Sein, man kann ihm gelassen(-er) begegnen und es wird dadurch lösbar. Ziel ist, den Stürmen des Lebens zu begegnen und innerlich dabei ruhig bleiben zu können.